Info über das Treffen der Auftraggebergruppe am 25.08.2017

Wir übernehmen dieses Infoschreiben von der Homepage Seite der Opferhilfe Korntal:

 

Auf der Tagesordnung standen der Bericht der Aufklärer und die Bildung einer Vergabekommission für die Anerkennungsleistungen. Daneben wurden noch einige Fragen der Teilnehmer behandelt.

 

Frau Dr. Baums-Stammberger hat bis zum 25.8.2017 insgesamt 42 persönliche Gespräche mit Betroffenen geführt. Entgegen anderslautender Behauptungen vom NetzwerkBetroffenenforum fanden die Gespräche bis auf ganz wenige Ausnahmen in einer beiderseits vertrauensvollen Atmosphäre statt. Ganz selten wurde nach den Gesprächen der Psychologe konsultiert. 36 weitere Gespräche sind bis Ende November terminiert, zum Teil auch an deren Wohnorten.

Zu den Gesprächen und ihrer Auswertung gehören eine Plausibilitätsprüfung und ein Abgleich mit den Heimakten sowie eine juristische Einordnung der erlittenen Straftaten. Insgesamt ist die Aktenlage gut und gut aufbereitet; es gibt aber auch Lücken in den Beständen (insb. Flattichhaus). Die Aufzeichnungen der Interviews wurden anonymisiert und für die Auswertung mit einer speziellen sozialwissenschaftlichen Software aufbereitet.

Prof. Dr. Hafeneger, der die Auswertung der beim Landeskirchlichen Archiv aufbewahrten Akten übernommen hat, berichtet, dass für die Untersuchung der institutionellen Verantwortung die Erhebungsphase in den Archiven zu rund 80 % abgeschlossen ist und die Auswertung bereits begonnen hat. Der Zeitplan für die Vorlage eines Berichtes im Frühjahr 2018 kann nach heutigem Stand eingehalten werden.

Zusätzlich zur Sichtung und Auswertung aller vorhandenen Akten, wurden 12 Interviews mit ehemaligen Mitarbeitenden geführt und zwar quer durch die Funktionen (Leitung, Hauswirtschaft, Betreuer, Zivildienstleistende…). Auch die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen werden in den Bericht mit aufgenommen.

In einem zweiten Teil des Treffens stellten sich von den Betroffenen ausgewählte Mitglieder einer möglichen Vergabekommission vor. Deren Aufgabe ist es, in unabhängiger Entscheidung den betroffenen ehemaligen Heimkindern, die im Rahmen der Aufklärung Korntal einen Antrag gestellt haben, eine finanzielle Anerkennung zuzusprechen, die die Evangelische Brüdergemeinde dann als freiwillige Leistung auszahlen wird. Über die Höhe der Anerkennungsleistungen wurde noch nicht abschließend beraten. Die Vertreter der Heimopfer fordern deutlich höhere Beträge als bislang angeboten.

Am 29.10.2017 von 15-18 Uhr wird ein weiteres Treffen ehemaliger Heimkinder in Stuttgart stattfinden. Neben der Information über den aktuellen Stand geht es auch um einen Meinungsaustausch, Lob und Kritik, mit den Mitgliedern der Auftraggebergruppe.

Wir wünschen uns, dass alle Heimopfer, die noch abseits stehen, sich an dem Prozess beteiligen. Das Verfahren wird erst abgeschlossen, wenn alle, die sich gemeldet haben, interviewt worden sind.

Die Behauptung, dass die Anerkennungsleistung „in Form eines Gutscheins“ geleistet werden soll, ist eine böswillige Falschmeldung. Jeder bekommt die Anerkennungsleistung auf sein Konto überwiesen.

    

        Im Rahmen des Aufarbeitungsprozesses

 

Stuttgart, Frankfurt 14.07.2017

 

Aufarbeitungsprozess der Missbrauchsfälle in den Werken Korntal

Die Auftraggebergruppe berät Aufgaben und personelle Vorschläge der

Vergabekommission. Die beiden Aufklärer geben eine erste kurze

Statusinformation.

 

Im Rahmen des Aufarbeitungsprozesses der Missbrauchsfälle in den Werken der

Evangelischen Brüdergemeinde Korntal fand am 12.7.2017 in Stuttgart im Park Inn Hotel ein

weiteres Treffen der Auftraggebergruppe (AGG) statt.

Zu diesem waren zeitweise auch die beiden Aufklärer Frau Dr. Baums-Stammberger und Herr

Prof. Dr. Benno Hafeneger eingeladen, um erste Informationen zum erreichten Stand der

Aufklärung mitzuteilen.

Anliegen des Treffens waren einerseits eine Konkretisierung der Aufgaben einer

Vergabekommission und ihrer personellen Zusammensetzung. Erste Entwürfe und Vorschläge

waren während der Sitzung im Juni diskutiert worden.

Es ist angestrebt, dass die Kommission im Herbst ihre Arbeit aufnehmen soll und erste

Vergabeentscheidungen treffen kann, unter der Voraussetzung, dass bis dahin die fünf

ausgewählten potentiellen und unabhängigen Mitglieder ihre Zustimmung zur Mitarbeit

gegeben haben. An der Kommission nicht beteiligt sind Vertreter der Ev. Brüdergemeinde und

Vertreter der ehemaligen Heimkinder. Dies sichert der Kommission eine vollkommen

unabhängige Entscheidungsfreiheit und Arbeit zu.

Zum anderen gab es erste Informationen von Seiten der beiden Aufklärer zu ihrer bisherigen

Aufklärungsarbeit:

Bisher haben 42 intensive und teilweise 3-stündige Gespräche mit Frau Dr. Baums-

Stammberger stattgefunden. Weitere 23 Gesprächstermine sind bis November vereinbart;

d.h. bis November werden mindestens 65 Gespräche mit Betroffenen stattgefunden haben.

Die Gespräche finden in einem Besprechungszimmer in einem Stuttgarter Hotel statt. Falls

Betroffene jedoch eine Fahrt nach Stuttgart nicht auf sich nehmen wollen oder können, fährt

Frau Dr. Baums-Stammberger zu ihnen, so dass bisher Gespräche in Darmstadt, München und

Nürnberg stattgefunden haben und demnächst Gespräche in Tübingen, Oldenburg und

Koblenz stattfinden werden.Die vereinbarten Gesprächstermine wurden bislang von den Betroffenen mit nur wenigen

Ausnahmen eingehalten. Die Gespräche selbst sind von großem Vertrauen und dem Wunsch

geprägt, die eigenen Erfahrungen einer fachlich kompetenten, empathischen und

unabhängigen Richterin mitzuteilen. Sollten einzelne Betroffene lieber mit einem männlichen

Aufklärer sprechen wollen, steht Prof. Dr. Hafeneger für Gespräche zur Verfügung.

Zu allen Gesprächen werden kurze, anonymisierte Memos erstellt, die zunächst an Prof. Dr.

Hafeneger zur sozialwissenschaftlichen Auswertung weitergeleitet und später der

Vergabekommission übergeben werden, um Entscheidungen über Anerkennungsleistungen

vorbereiten zu können.

Herr Hafeneger hat im Rahmen der institutionellen Aufarbeitung bisher zahlreiche Bestände

in unterschiedlichen Archiven gesichtet. Das gilt vor allem für das Material im

Landeskirchlichen Archiv (LKA) Stuttgart/Möhringen über die Heime in Korntal und

Wilhelmsdorf. Das vorhandene Archiv-Material ist außerordentlich umfänglich. Hier geht es

darum einen Einblick zu gewinnen in die Strukturen, die Kommunikationswege und die

Thematisierung und/oder das Verschweigen von Gewalt. Auch das in den Einrichtungen tätige

pädagogische und außerpädagogische Personal, sowie deren pädagogische Konzepte und

Ziele, sowie der Heimalltag werden untersucht.

Die Auftraggebergruppe sieht den Aufklärungsprozess in Korntal auf einem sehr guten,

erfolgversprechenden Weg. Die sechs Betroffenen und die beiden Vertreter der Evangelischen

Brüdergemeinde und nicht zuletzt die beiden Moderatoren fühlen sich erleichtert, dass nach

den schwierigen und konfliktgeladenen Zeiten eine unabhängige und fachlich kompetente

Aufklärung bereits gut unterwegs ist.

Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz

Moderatoren der Aufklärung in Korntal

Wir bitten die Medien, erneut folgende Kontaktdaten bekannt zu geben, damit weitere

Betroffene erreicht werde können.

 

Ansprechpartner Aufklärung Korntal:

Dr. Brigitte Baums-Stammberger und Prof. Dr. Benno Hafeneger

Hotline: 0174 – 7 12 11 08 Sprechzeiten: Mittwochs 16 bis 18 Uhr und Freitags 18 bis 19 Uhr

Email-Adresse: aufklaerung.korntal@gmx.de

Postanschrift:

Dr. Brigitte Baums-Stammberger

Postfach110933  60044 Frankfurt am Main.

Ein offenes Wort an die Anhänger des Boykottaufrufs

 

Mit fast 40 Besuchern des Opfertreffens am 6. Mai, den 11 ehemaligen Heimkindern, die dieses Mal ihre Teilnahme absagen mussten, und mit nun fast 60 Anmeldungen für das Interview mit der Aufklärerin Frau Dr. Baums, hat der Aufklärungsprozess eine Anzahl an Heimkindern erreicht, mit der jeder Aufklärer und jede Täterorganisation mit gutem Recht eine auf Aufklärung durchführen kann.

Vielleicht hofft die Brüdergemeinde sogar, dass es nicht mehr Meldungen geben wird!?

Also-wenn ihr der Brüdergemeinde eine Sorge nehmen

wollt,

– wenn ihr euch lieber auf dubiose Einzelprozesse (trotz eindeutiger Verjährung) verlassen wollt, dann bleibt bei eurem Boykott!

Wenn euch aber euer Hemd näher als Zanders Fantasiehose ist,

wenn ihr in einem zumutbaren Zeitrahmen zu eurem Recht auf Anerkennung des euch geschehenen Leids kommen wollt,

dann meldet euch bald bei Frau Dr. Baums!

Und wenn ihr ein gutes Ergebnis der Verhandlungen über die so genannten finanziellen Anerkennungsleistungen erreichen wollt, dann unterstützt uns mit eurem Wissen bei der Suche nach einer unabhängigen Vergabekommission und bei der Ausarbeitung der Richtlinien für deren Arbeit. Meldet euch bei

 

Theo Tel.: 0177 – 4 95 43 36  und

Wolfgang Tel.: 0160 - 8 41 77 64

 

 

Hier die Pressemitteilung der Moderatoren:

Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz im Auftrag der Auftraggebergruppe:


 

Treffen ehemaliger Heimkinder im Rahmen des Korntaler Aufklärungsprozesses war ein großer Erfolg

Am 6.5.2017 fand in Stuttgart Obertürkheim ein Treffen ehemaliger Korntaler Heimkinder statt. Sie waren in den 50er bis 70er Jahren in den Werken der Evangelischen Brüdergemeinde untergebracht und nun der Einladung der Auftraggebergruppe und der Aufklärer gefolgt, um sich über den laufenden Aufarbeitungs- und Aufklärungsprozess zu informieren.

Knapp 40 ehemalige Heimkinder fanden sich ein zu einem insgesamt drei-stündigen und insgesamt sehr lebendigen Treffen, das mit einem gemeinsamen Mittagsessen abgerundet wurde.

Die Moderatoren des Aufklärungsprozesses Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz hatten das Treffen inhaltlich vorbereitet und führten durch die Informationsveranstaltung.

Ganz im Vordergrund des Interesses stand für die Anwesenden die beiden Aufklärer Frau Dr. Baums-Stammberger und Prof. Dr. Benno Hafeneger persönlich kennenzulernen und die Gelegenheit zu erhalten, über ihre inhaltliche Arbeit in all ihren unterschiedlichen Facetten informiert zu werden. Beide Aufklärer berichteten jeweils aus ihrer Perspektive über den bereits seit mehr als einem Monat laufenden Prozess, über das rege Interesse an den angebotenen Gesprächen und Interviews und über die inhaltlich sehr aufschlussreiche Arbeit in dem Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart und in dem Archiv der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal. Hieran entwickelte sich eine lebendige Diskussion mit den Aufklärern, mit einer Reihe von Nachfragen, die insgesamt und zur allseitigen Zufriedenheit geklärt werden konnten. Auch die anwesenden Betroffenen, die bereits Gespräche mit Frau Dr. Baums-Stammberger geführt hatten, berichteten von ihren durchweg sehr positiven Erfahrungen und warben mit Nachdruck für eine weitere vertrauensvolle Teilnahme. Scharf kritisiert wurde in diesem Zusammenhang der Boykottaufruf des Netzwerkes Betroffenen-Forums, der ehemaligen Heimkindern nach einhelliger Meinung die Chance verwehrt Anerkennung für das erlittene Leid und entsprechende Anerkennungsleistungen der Evangelischen Brüdergemeinde zu erhalten. Von Seiten der ehemaligen Heimkinder wurde der Wunsch geäußert, nochmals darüber nachzudenken und zu klären, wo die abschließenden Dokumente aus den Gesprächen mit den Aufklärern archiviert werden sollen. Großes Interesse galt auch der Frage, wann mit ersten Auszahlungen zu rechnen sei. Deutlich wurde, dass der Aufklärungsprozess aller Voraussicht nach schon bald über eine ausreichend große Anzahl von Interviews verfügen wird, so dass die Zusammensetzung der Vergabekommission noch vor der Sommerpause in der Auftraggebergruppe diskutiert werden kann, so dass sie dann zügig ihre Arbeit aufnehmen kann.

Abschließend stellte der anwesende Vertreter der Evangelischen Brüdergemeinde die inhaltlichen Vorstellungen der Brüdergemeinde zur Aufklärung vor und sagte im Wortlaut:

„ Wir bedauern, dass solche Taten geschehen konnten. Wir bedauern die damit verbundenen persönlichen Schicksale. Wir stellen uns der unabhängigen Aufklärung und wollen dass alles aufgearbeitet wird. Wir wollen und werden dieses Leid anerkennen und uns entschuldigen, wenn ‚alles auf dem Tisch‘ liegt.“

 

Am Ende der Veranstaltung wurden nicht nur viele weitere Gesprächstermine mit Frau Dr. Baums-Stammberger vereinbart , sondern es wurde insgesamt auch deutlich, wie wichtig dieses Treffen für die ehemaligen Heimkinder war, von denen viele zum ersten Mal zu einem solchen Treffen gekommen waren und aussprachen, was viele beim persönlichen Verabschieden nochmals betonten: „Wir werden gerne wiederkommen und wir werden andere ehemalige Heimkinder über diesen Aufklärungsprozess informieren und sie überzeugen, sich daran zu beteiligen. Denn diese Aufarbeitung ist für uns alle sehr wichtig.“

 


 

Die Aufklärung hat begonnen!

Im Aufarbeitungsprozess von Missbrauchsfällen in den Werken der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal hat die unabhängige Aufklärung gestartet.

Ehemalige Heimkinder können sich ab jetzt bei

Frau Dr. Baums-Stammberger

unter  Kontaktdaten (Klick auf den Roten Button!) melden, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren.

 

Weitere Informationen zum Aufklärungskonzept entnehmen Sie der Pressemitteilung

Kritische Bemerkungen zum Boykottaufruf des Betroffenen Forums vom 12.4.2017

 

Erklärung der AG Heimopfer Korntal vom 19.4.2017

 

Man kann befürchten, dass die Brüdergemeinde Korntal einen schnellen und Schmerz freien Abschluss der Aufklärungsarbeit erreichen will….

Man kann mutmaßen, dass die gegensätzlichen Interessen von Tätern und Opfern in einem gemeinsamen Aufklärungsprozess schwer unter einen Hut zu bringen sind….

Man kann enttäuscht und wütend sein, wenn man sich mit der eigenen Aufklärungsstrategie nicht durchsetzen konnte, aber –

man muss bei der Wahrheit bleiben!

 

Mit falschen Behauptungen und Schlussfolgerungen nun den Aufklärungsprozess zu boykottieren ist nahezu infam.

Deshalb einige Richtigstellungen:

Es ist schlichtweg unwahr, dass »man gerade mal 15-20 Personen befragen möchte« (es werden alle verfügbaren Adressen von ehemaligen Heimkinder angeschrieben, allein unsere Arbeitsgemeinschaft wird über 100 Personen ansprechen)

Es ist schlichtweg unwahr, dass »die Aufklärer aus dem Netzwerk der Täter und Mediatoren kommen«. Die beiden Aufklärer waren der Brüdergemeinde völlig unbekannt.

Es ist schlichtweg unwahr, dass »ein begrenzter Zeitraum von einem Jahr gesteckt wird«. Fakt ist, dass unsere Arbeitsgemeinschaft auf den raschen Beginn der Aufklärung, d.h. der Interviews und ihrer Auswertung gepocht hat, so dass in diesem Jahr noch die ersten finanziellen Anerkennungsleistungen ausbezahlt werden können. Um eine Grundlage für eine Plausibilitätsüberprüfung zu haben, sollten mindestens ca. 20 Interviews vorliegen. Dass die Aufklärung länger gehen kann, und die wissenschaftliche Aufarbeitung sicher länger gehen wird ist jedem vernünftigen Menschen klar. Bisher wurde weder über die Zusammensetzung der Vergabekommission, noch über Regeln für die Anerkennungsleistung entschieden.

Es ist einfach nur polemisch und entbehrt jeglicher Faktenlage, wenn behauptet wird, die Heimkinder »mit einem Almosen von bis zu 5000 € abzuspeisen. Zahlungen werden jedoch nur gegen Schweigegelübde, Mitarbeit und den Verzicht auf alle weiteren Ansprüche« zugesagt«. Zwar hat die Brüdergemeinde tatsächlich von 5000 € gesprochen, aber auf unseren Protest hin, dass dieser Betrag für längere Zeiten im Heim oder bei extremen Missbrauch von uns niemals akzeptiert werden würde, signalisierte die Brüdergemeinde Verhandlungsbereitschaft für besondere Fälle, über die angesprochenen 5000 Euro hinaus zu gehen. Von einem Schweigegelübde war nie die Rede.

 

Der Boykott nützt nur der Brüdergemeinde, denn weniger aufgedeckte Taten bedeutet weniger Kosten für die Brüdergemeinde. Boykott bedeutet endlose Rechtsanwalts- und Prozesskosten für einen Sachverhalt, der eindeutig verjährt ist. Eine Aufhebung der Verjährung kann weder ein Gericht noch der Gesetzgeber anordnen. Die empfohlenen Strafanzeigen sind zwar manchmal medienwirksam, aber insgesamt sehr fragwürdig: einem fremden und uninteressierten Polizisten eher sein Schicksal zu erzählen, anstatt einer erfahrenen Richterin die mit dieser Aufgabe betraut ist, mutet schon sehr seltsam an.

Deshalb: jedes Heimkind sollte sich gut überlegen, ob es diesem Boykottaufruf folgen will! Außerdem: Niemand kann ein Heimkind hindern, das sich mit der angebotenen finanziellen Anerkennungsleistung nicht „abspeisen“ lassen will, den von Zander propagierten Rechtsweg einzuschlagen.

 

Theo Kampouridis und Wolfgang Schulz

AG Heimopfer Korntal

PRESSEMITTEILUNG "Aufklärer stellen Aufklärungskonzept vor" Aufklärung hat begonnen

Stuttgart, 10.04.2017 Im Aufarbeitungsprozess von Missbrauchsfällen bei der evangelischen Brüdergemeinde Korntal haben die von der Auftraggebergruppe bestellten unabhängigen Aufklärer am 10.04.2017 im Rahmen einer Pressekonferenz ihr Aufklärungskonzept vorgestellt. Die Aufklärung hat begonnen. Betroffene können sich ab sofort an Frau Dr. Baums-Stammberger wenden.

 

Die Aufklärer

Frau Dr. Brigitte Baums-Stammberger und Herr Prof. Dr. Benno Hafeneger wurden am 28.03.2017 als unabhängige Aufklärer von der Auftraggebergruppe bestellt.

Frau Dr. Baums-Stammberger ist Richterin a.D. In den letzten Jahren leitete sie in Frankfurt ein Jugendschöffengericht, d.h. es kamen alle Verfahren zu ihr, in denen Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt, besonders auch sexueller Gewalt, gewesen waren. Sie verfügt über langjährige juristische Erfahrungen zur Aufklärung von sexuellen und anderen Formen der Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen.

Herr Prof. Dr. Benno Hafeneger wird für den erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Teil der Aufarbeitung verantwortlich sein. Er arbeitet als Erziehungswissenschaftler seit mehr als 20 Jahren an der Universität in Marburg und ist einer der renommiertesten Jugendforscher in Deutschland. In zwei seiner letzten Bücher befasste er sich mit den Themen: „Strafen, prügeln, missbrauchen: Gewalt in der Pädagogik“ und „Beschimpfen, bloßstellen, erniedrigen: Beschämung in der Pädagogik“.

 

 

Das Aufklärungskonzept

 

1. Das Ziel

 

Die anstehende Untersuchung hat zum Ziel, Vorfälle von sexuellem Missbrauch, Gewalt und erlittenem Unrecht in den Werken der evangelischen Brüdergemeinde zwischen 1945 und 1980 aufzuklären. Die Evangelische Brüdergemeinde will dadurch nicht nur ihre Anerkennung von erlittenem Leid deutlich zum Ausdruck bringen, sondern gleichzeitig auch entsprechende Anerkennungsleistungen an Betroffene zahlen.

 

2. Der Ablauf der Gespräche mit Betroffenen und ehemaligen Heimkindern

 

Frau Dr. Baums-Stammberger bietet den Betroffenen zunächst an, sich mit ihr telefonisch, per Email oder mit Briefpost innerhalb ihrer Sprechzeiten in Verbindung zu setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Nummer der Hotline, die Email-Adresse sowie das Postfach für Briefsendungen und die Sprechzeiten finden Sie am Ende dieser Pressemitteilung). Die Betroffenen haben die Möglichkeit entweder einen Fragebogen in ihrer Anwesenheit auszufüllen, oder aber ein Gespräch mit ihr zu führen. Dabei untersucht sie, in welchen Heimen es wann durch welche Personen zu welchen Taten gekommen ist und ordnet diese juristisch ein. Sie erstellt jeweils ein anonymisiertes Memo, das einem unabhängigen Experten zur Auswertung mit Hilfe der Software MAXQDA zugeleitet wird.

Soweit die Betroffenen einverstanden sind, werden die Gespräche aufgezeichnet, ebenfalls anonym. Die Gespräche sind streng vertraulich. Außer den beiden Aufklärern und später der Vergabekommission erfährt niemand von den Inhalten der Gespräche oder erhält Einsicht in die Unterlagen. Die Gespräche werden im Raum Stuttgart oder auch in Wohnortnähe der Betroffenen stattfinden. Im Anschluss an eine Plausibilitätsprüfung werden die Anträge der Betroffenen mit dem Fragebogen beziehungsweise den schriftlichen Interviewaufzeichnungen einer noch zu bildenden unabhängigen Vergabekommission übergeben. Diese entscheidet sodann über die freiwilligen Anerkennungsleistungen.

 

 

3. Die sozialwissenschaftliche Auswertung

 

Herr Prof. Dr. Benno Hafeneger wird in seiner erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Untersuchung vor allem danach fragen, wie es möglich war, dass Vorfälle von sexuellem Missbrauch und von Gewalt scheinbar unbemerkt in den Heimen vorkommen konnten, ohne dass es öffentlich wurde. Er wird sich entsprechend auf die Organisation und die Strukturen der Heimerziehung und auf die Frage nach den Gründen für das institutionelle Versagen konzentrieren und nicht mit den Betroffenen in Kontakt treten. Die Auswertung erfolgt unter Einbeziehung der von Prof. Dr. Kuckartz entwickelten und zur Unterstützung von wissenschaftlichen Projekten und Studien angewandten Software MAXQDA und mit Hilfe eines in der Anwendung dieser Software geschulten externen und unabhängigen Experten.

 

4. Zwischeninformationen und Abschlussbericht

 

Zum aktuellen Zeitpunkt kann noch keine definitive Aussage darüber gemacht werden, wann ein Abschlussbericht vorgestellt werden kann. Dies ist stark davon abhängig, wie viele Betroffene sich melden. Die Aufklärer wollen jedoch in einem Rhythmus von circa drei Monaten eine Zwischeninformation zum aktuellen Status der Aufklärung abgeben. Das Ende des Aufklärungsprozesses ist anvisiert für Anfang 2018 – dieser Zeitpunkt hängt aber wesentlich von der zu bearbeitenden Zahl der Gespräch und Anträge ab und kann deshalb mehr oder minder variieren.

 

 

Stimmen aus der Auftraggebergruppe zum Start der Aufklärung

 

Wolfgang Schulz, AG Heimopfer:

Wir setzen berechtigte Hoffnungen in die Zusammenarbeit der Moderatoren und Aufklärer.
Unsere Arbeitsgemeinschaft bedauert den voreiligen Ausstieg des BetroffenenForums aus diesem notwendigerweise gemeinsamen Prozess, zumal es hier um die Interessen aller ehemaligen betroffenen Heimkinder  in  den Einrichtungen der Brüdergemeinde geht.
Wir hoffen, dass das BetroffenenForum seinen unbesonnenen Boykottaufruf an seine Mitglieder rasch zurück zieht, denn nur die Heimkinder die  die  Aufklärung unterstützen,  können Anerkennungsleistungen erhalten.
Theo Kampouridis und Wolfgang Schulz (Sprecher der AGHK)

 

Klaus Andersen, weltlicher Vorsteher der Brüdergemeinde:

„Wir sind erleichtert und froh, dass Betroffene und Beteiligte es nach Jahren der Diskussionen und Hindernisse nun gemeinsam geschafft haben, ein Team unabhängiger Aufklärer zu beauftragen und, dass der unabhängige Aufklärungsprozess nun beginnen kann.“

 

Die Moderatoren

 

Frau Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Herr Gerhard Bauz wurden von der Auftraggebergruppe mit der Moderation des weiteren Aufklärungsprozesses beauftragt. Sie werden den Aufklärungsprozess im Hintergrund begleiten, für die Kommunikationsprozesse nach innen und nach außen zur Verfügung stehen.

In dieser Funktion nehmen Sie ab sofort auch die Annahme von Presseanfragen für den Gesamtprozess entgegen. Presse- und Medienverteter werden gebeten, sich bei Rückfragen zum Aufklärungsprozess unter moderation-korntal@web.de an die Moderatoren zu wenden.

 

 

 

 

Hier die Kontaktdaten für die Betroffenen:

Ansprechpartnerin: Frau Dr. Brigitte Baums-Stammberger

Hotline: 0174 - 71 21 10 8

Email-Adresse: aufklaerung.korntal@gmx.de

 

Postanschrift:

Dr. Brigitte Baums-Stammberger

Postfach110933
60044 Frankfurt am Main.

 

Sprechzeiten: mittwochs 16 bis 18 Uhr, freitags 18 bis 19 Uhr

 

 

Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerhard Bauz

als Moderatoren der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den Werken der evangelischen Brüdergemeinde Korntal im Namen der Auftraggebergruppe und der Aufklärer

 

Pressemitteilung der AGG vom 28.03.2017

Aufklärung Korntal beginnt

Auftraggebergruppe beauftragt unabhängige Aufklärer

 

Stuttgart, 28.03.2017

 

Der Aufarbeitungsprozess von Missbrauchs- und Gewaltfällen bei der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal geht weiter.

Am 28.03.2017 traf sich die Auftraggebergruppe und bestellte offiziell unabhängige Aufklärer, die nun zeitnah ihre Arbeit aufnehmen.

 

Rückblende

 

Im Rahmen des gemeinsamen Aufarbeitungsprozesses hatte es immer wieder Differenzen zwischen einzelnen Teilnehmern der Auftraggebergruppe gegeben, die sich aus Betroffenen-Vertretern, Vertretern der Brüdergemeinde und zwei Mediatoren zusammensetzt. Daraufhin erklärte das Netzwerk BetroffenenForum öffentlich seinen Rücktritt aus der Auftraggebergruppe unter der Mediation von Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz.

 

Eine Abstimmung der Mitglieder der Auftraggebergruppe ergab, dass diese die Arbeit fortsetzen wollen, dass sie den Mediatoren ihr Vertrauen aussprechen und sich die Auftraggebergruppe auch nach dem Start des nun bevorstehenden Aufklärungsprozesses weiter für die Belange aller ehemaligen Heimkinder verpflichtet weiß, unabhängig davon, ob diese in der Auftraggebergruppe sind oder nicht.

 

Die Mediatoren hatten diese neue Situation für sich zu prüfen und stellten fest,

 

1. dass die Mediation erfolgreich war, da es gelang, die unterschiedlichen Konfliktparteien in mehreren Sitzungen an einen Tisch zu bringen,

 

2. sie ist aber in Bezug auf das Netzwerk BetroffenenForum nach acht-monatigen Bemühungen gescheitert, da sich das Netzwerk aus dem Mediationsverfahren verabschiedet hat,

 

3. die gestellten Ziele unter Beteiligung der Arbeitsgemeinschaft Heimopfer Korntal und von weiteren Vertretern der  ehemaligen Heimkinder in der Auftraggebergruppe erreichbar sind,

 

4. alle ehemaligen Heimkinder und Betroffenen eingeladen werden, sich einzubringen, insbesondere wenn es jetzt darum geht, andere Betroffene über die Aufklärung und die Beantragung der Anerkennungsleistung zu informieren.

 

Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerhard Bauz erklären sich nach dieser Prüfung und Feststellung bereit, die Auftraggebergruppe künftig als „Moderatoren“ zu unterstützen.

 

Das Aufklärerteam

 

Die Auftraggebergruppe hat am 28.03.2017 Frau Dr. Brigitte Baums-Stammberger und Herrn Prof. Dr. Benno Hafeneger als unabhängige Aufklärer beauftragt. Die Expertise von beiden wurde von der gesamten Auftraggebergruppe einhellig als sehr gut und für den Aufklärungsprozess als sehr wertvoll eingestuft.

 

Frau Dr. Baums-Stammberger ist Richterin a.D. und war zuletzt am Amtsgericht in Frankfurt am Main als Richterin tätig, hier vor allem im Bereich von Jugendschutzangelegenheiten. Sie wird den juristischen Teil der Aufklärung, insbesondere die Befragung der ehemaligen Heimkinder und Betroffenen übernehmen.

Herr Prof. Dr. Benno Hafeneger wird für den erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Teil der Aufarbeitung verantwortlich sein. Für die wissenschaftlich-statistische Auswertung wird die von Prof. Dr. Kuckartz entwickelte Software MAXQDA eingesetzt.

 

Die nächsten Schritte

 

Die Gespräche mit der Auftraggebergruppe und mit den Aufklärern sind so weit vorangeschritten, dass die Aufklärung beginnen kann.

 

Zwecks Vorstellung der Aufklärer und ihrer einzelnen Expertisen sowie zwecks Bekanntgabe des  Aufklärungskonzeptes wird es daher in Kürze eine gemeinsame Pressekonferenz der Aufklärer und der Auftraggebergruppe geben, auf der auch weitere Fragen zum Gesamtprozess beantwortet werden können.

 

Die Medienvertreter werden gebeten, sich daher mit Fragen noch bis zur baldigen Pressekonferenz zu gedulden. Eine separate Einladung folgt.

 

Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz

als Moderatoren der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den Werken der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

im Namen der Auftraggebergruppe

 

Wenn Sie alles Wissenswerte über die Aufarbeitung in den Kinderheimen Korntal erfahren wollen, sind Sie hier an der richtigen Adresse.
Über Ergebnisse, Veranstaltungen und Presseartikel finden Sie alles, was Ihnen im Zusammenhang mit unserem Tun einen ganzheitlichen Überblick verschafft. 

 

 

 

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