PRESSEMITTEILUNG "Aufklärer stellen Aufklärungskonzept vor" Aufklärung hat begonnen

Stuttgart, 10.04.2017 Im Aufarbeitungsprozess von Missbrauchsfällen bei der evangelischen Brüdergemeinde Korntal haben die von der Auftraggebergruppe bestellten unabhängigen Aufklärer am 10.04.2017 im Rahmen einer Pressekonferenz ihr Aufklärungskonzept vorgestellt. Die Aufklärung hat begonnen. Betroffene können sich ab sofort an Frau Dr. Baums-Stammberger wenden.

 

Die Aufklärer

Frau Dr. Brigitte Baums-Stammberger und Herr Prof. Dr. Benno Hafeneger wurden am 28.03.2017 als unabhängige Aufklärer von der Auftraggebergruppe bestellt.

Frau Dr. Baums-Stammberger ist Richterin a.D. In den letzten Jahren leitete sie in Frankfurt ein Jugendschöffengericht, d.h. es kamen alle Verfahren zu ihr, in denen Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt, besonders auch sexueller Gewalt, gewesen waren. Sie verfügt über langjährige juristische Erfahrungen zur Aufklärung von sexuellen und anderen Formen der Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen.

Herr Prof. Dr. Benno Hafeneger wird für den erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Teil der Aufarbeitung verantwortlich sein. Er arbeitet als Erziehungswissenschaftler seit mehr als 20 Jahren an der Universität in Marburg und ist einer der renommiertesten Jugendforscher in Deutschland. In zwei seiner letzten Bücher befasste er sich mit den Themen: „Strafen, prügeln, missbrauchen: Gewalt in der Pädagogik“ und „Beschimpfen, bloßstellen, erniedrigen: Beschämung in der Pädagogik“.


Das Aufklärungskonzept

1. Das Ziel


Die anstehende Untersuchung hat zum Ziel, Vorfälle von sexuellem Missbrauch, Gewalt und erlittenem Unrecht in den Werken der evangelischen Brüdergemeinde zwischen 1945 und 1980 aufzuklären. Die Evangelische Brüdergemeinde will dadurch nicht nur ihre Anerkennung von erlittenem Leid deutlich zum Ausdruck bringen, sondern gleichzeitig auch entsprechende Anerkennungsleistungen an Betroffene zahlen.


2. Der Ablauf der Gespräche mit Betroffenen und ehemaligen Heimkindern


Frau Dr. Baums-Stammberger bietet den Betroffenen zunächst an, sich mit ihr telefonisch, per Email oder mit Briefpost innerhalb ihrer Sprechzeiten in Verbindung zu setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Nummer der Hotline, die Email-Adresse sowie das Postfach für Briefsendungen und die Sprechzeiten finden Sie am Ende dieser Pressemitteilung). Die Betroffenen haben die Möglichkeit entweder einen Fragebogen in ihrer Anwesenheit auszufüllen, oder aber ein Gespräch mit ihr zu führen. Dabei untersucht sie, in welchen Heimen es wann durch welche Personen zu welchen Taten gekommen ist und ordnet diese juristisch ein. Sie erstellt jeweils ein anonymisiertes Memo, das einem unabhängigen Experten zur Auswertung mit Hilfe der Software MAXQDA zugeleitet wird.

Soweit die Betroffenen einverstanden sind, werden die Gespräche aufgezeichnet, ebenfalls anonym. Die Gespräche sind streng vertraulich. Außer den beiden Aufklärern und später der Vergabekommission erfährt niemand von den Inhalten der Gespräche oder erhält Einsicht in die Unterlagen. Die Gespräche werden im Raum Stuttgart oder auch in Wohnortnähe der Betroffenen stattfinden. Im Anschluss an eine Plausibilitätsprüfung werden die Anträge der Betroffenen mit dem Fragebogen beziehungsweise den schriftlichen Interviewaufzeichnungen einer noch zu bildenden unabhängigen Vergabekommission übergeben. Diese entscheidet sodann über die freiwilligen Anerkennungsleistungen.


3. Die sozialwissenschaftliche Auswertung


Herr Prof. Dr. Benno Hafeneger wird in seiner erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Untersuchung vor allem danach fragen, wie es möglich war, dass Vorfälle von sexuellem Missbrauch und von Gewalt scheinbar unbemerkt in den Heimen vorkommen konnten, ohne dass es öffentlich wurde. Er wird sich entsprechend auf die Organisation und die Strukturen der Heimerziehung und auf die Frage nach den Gründen für das institutionelle Versagen konzentrieren und nicht mit den Betroffenen in Kontakt treten. Die Auswertung erfolgt unter Einbeziehung der von Prof. Dr. Kuckartz entwickelten und zur Unterstützung von wissenschaftlichen Projekten und Studien angewandten Software MAXQDA und mit Hilfe eines in der Anwendung dieser Software geschulten externen und unabhängigen Experten.


4. Zwischeninformationen und Abschlussbericht


Zum aktuellen Zeitpunkt kann noch keine definitive Aussage darüber gemacht werden, wann ein Abschlussbericht vorgestellt werden kann. Dies ist stark davon abhängig, wie viele Betroffene sich melden. Die Aufklärer wollen jedoch in einem Rhythmus von circa drei Monaten eine Zwischeninformation zum aktuellen Status der Aufklärung abgeben. Das Ende des Aufklärungsprozesses ist anvisiert für Anfang 2018 – dieser Zeitpunkt hängt aber wesentlich von der zu bearbeitenden Zahl der Gespräch und Anträge ab und kann deshalb mehr oder minder variieren.


Stimmen aus der Auftraggebergruppe zum Start der Aufklärung


Wolfgang Schulz, AG Heimopfer:

Wir setzen berechtigte Hoffnungen in die Zusammenarbeit der Moderatoren und Aufklärer.
Unsere Arbeitsgemeinschaft bedauert den voreiligen Ausstieg des BetroffenenForums aus diesem notwendigerweise gemeinsamen Prozess, zumal es hier um die Interessen aller ehemaligen betroffenen Heimkinder  in  den Einrichtungen der Brüdergemeinde geht.
Wir hoffen, dass das BetroffenenForum seinen unbesonnenen Boykottaufruf an seine Mitglieder rasch zurück zieht, denn nur die Heimkinder die  die  Aufklärung unterstützen,  können Anerkennungsleistungen erhalten.
Theo Kampouridis und Wolfgang Schulz (Sprecher der AGHK)


Klaus Andersen, weltlicher Vorsteher der Brüdergemeinde:

„Wir sind erleichtert und froh, dass Betroffene und Beteiligte es nach Jahren der Diskussionen und Hindernisse nun gemeinsam geschafft haben, ein Team unabhängiger Aufklärer zu beauftragen und, dass der unabhängige Aufklärungsprozess nun beginnen kann.“

 

Die Moderatoren

 

Frau Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Herr Gerhard Bauz wurden von der Auftraggebergruppe mit der Moderation des weiteren Aufklärungsprozesses beauftragt. Sie werden den Aufklärungsprozess im Hintergrund begleiten, für die Kommunikationsprozesse nach innen und nach außen zur Verfügung stehen.

In dieser Funktion nehmen Sie ab sofort auch die Annahme von Presseanfragen für den Gesamtprozess entgegen. Presse- und Medienverteter werden gebeten, sich bei Rückfragen zum Aufklärungsprozess unter moderation-korntal@web.de an die Moderatoren zu wenden.


Hier die Kontaktdaten für die Betroffenen:

Ansprechpartnerin: Frau Dr. Brigitte Baums-Stammberger

Hotline: 0174 - 71 21 10 8

Email-Adresse: aufklaerung.korntal@gmx.de

Postanschrift:

Dr. Brigitte Baums-Stammberger

Postfach110933
60044 Frankfurt am Main.


Sprechzeiten: Mittwochs 16 bis 18 Uhr

und

Freitags 18 bis 19 Uhr

Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerhard Bauz

als Moderatoren der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den Werken der evangelischen Brüdergemeinde Korntal im Namen der Auftraggebergruppe und der Aufklärer


 

 

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