Protokolle Mediation

Protokoll der Mediatoren von der Sitzung der AGGr am 29.10.2016  in Stuttgart

Mediations- und Aufklärungsprozess des sexuellen Missbrauchs in den Einrichtungen der Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

Arbeitstreffen, 29. Oktober 2016, hat von 11 bis 16 Uhr, Stuttgart

Teilnahme:    Herr Andersen, Herr Glatzle, Herr Schulz, Herr Pätzold

Entschuldigt: Frau Poferl, Herr Zander, Herr Kammerl

In einer Einstiegsrunde bedauern alle Anwesenden das Fehlen der VertreterInnen des Netzwerks Betroffenen-Forum.

Es wird auch Unmut über das Fernbleiben und die Pressemeldung von heute Morgen geäußert.

Einmütig wird festgestellt, dass der Aufklärungs- und Anerkennungsprozess weiterhin mit allen gemeinsam und auf Augenhöhe gestaltet werden soll. Dies bedeutet umgekehrt, dass niemand den Prozess dominieren darf.

Ansätze dazu sind im Gerangel um die Terminierung jedoch sichtbar. Es wird an alle appelliert, der gemeinsamen Aufgabe Priorität einzuräumen, um Termine zu ermöglichen.

Es besteht kein sachfremder Zeitdruck, jedoch muss sich die Arbeit an der Verpflichtung für die Heimopfer orientieren, die auf öffentliche und finanzielle Anerkennung warten; dies zumal nach dem Scheitern eines Prozesses und den Verzögerungen in der jetzigen Startphase. Trotzdem haben Fairness und eine umfassende Aufarbeitung Vorrang vor Tempo.

Zurückgewiesen wird die Erwartung, dass jemand eine andere Person aus dem Gruppe ausschließen kann. Hinderungsgründe für eine Zusammenarbeit sollten ggf. bilateral aus dem Weg geräumt werden. Die Mediation bietet dazu ihre Unterstützung an.

Der Prozess braucht ein Grundvertrauen, gegenseitigen Respekt, Ehrlichkeit und Beständigkeit. „Wir müssen uns auf einander verlassen können.“

Frau Rohr und Herr Bauz sehen ihren Auftrag weiterhin darin, allen den Einstieg in die angestrebte Auftraggebergruppe zu ermöglichen. Es geht ihnen aber auch darum, Grenzen zu benennen. Sie werden nächste Termine nach ihren Möglichkeiten vorschlagen.

Sie betonen den Arbeitscharakter des heutigen Treffens. Angestrebt werden als Ergebnis Entwürfe zu den anstehenden Fragen, die das nächste Mal entschieden werden können.

1.     Tagesordnung
Sie wird wie vorgeschlagen, um einige Punkte angereichert, genehmigt.

Die Dokumente des Treffens vom 29.9.16 haben den Status von Arbeitspapieren und fließen in die heutige Beratung ein.

2.     Mediation

Frau Rohr und Herr Bauz legen ein Selbstverständnispapier vor. Es wird durchgesprochen und an einigen Stellen präzisiert; siehe die Anlage 1

3.     Regeln für die Zusammenarbeit und für Grenzüberschreitungen

In einem intensiven Gespräch werden Orientierungen erarbeitet, auf die sich beim nächsten Mal alle verpflichten sollen. Siehe Anlage 2.

4.     Auftraggebergruppe AGG– Zusammensetzung, Zweck, Aufgaben, Dauer

4.1.Zusammensetzung:

sechs Vertreter der Opfer/Betroffenen:

2          Schulz, Kampouridis, bzw. Vertretung
2          Zander, Poferl, bzw. Vertretung
2          zwei Opfer-/Betroffenen-VertreterInnen aus dem Feld der `‘Unorganisierten‘
zwei Vertreter der Unterstützer:

1          Pätzold,  bzw. Vertreter
1          Kammerl, bzw. Vertreter

Zwei Vertreter der Brüdergemeinde Korntal

2          Andersen, Glatzle, bzw. Vertreter

Zwei Mediator/in:

2          Rohr, Bauz

Zusammen: 12

 

Begründungen für eine regelmäßige beratende Teilnahme der Unterstützer sind:
sie können einen sachlichen Beitrag zum konstruktiven Verlauf des Prozesses leisten, sie können die Betroffenen als nicht unmittelbar Betroffene im Verfahren begleiten, insb. bei emotionaler Belastung können, sie sind direkt in die Information und Verfahrensgestaltung eingebunden.

 

Ehemalige Mitarbeitende:

1.     werden durch Befragungen in die Aufklärung einbezogen

2.     sie werden einmal in die AGG eingeladen, um den/die Aufklärer kennenzulernen

3.     sie können wichtige Beiträge zur Aufklärung leisten: konkrete Täter und Taten zu benennen und wer hat weggeschaut und warum, Klima der damaligen Zeit benennen…

4.     ein Ziel der Aufklärung ist es auch, für ehemalige Mitarbeitende diffuse Verdachtssituationen aufzuklären.

 

Alle Beteiligten werden aufgefordert, ihre Vorarbeiten den Aufklärern zur Verfügung zu stellen, sobald diese die Arbeit aufnehmen. Diesen Übergang zu markieren, kann auch heißen, notwendigerweise unvollständige Vorarbeiten aus den Medien zurück zu ziehen.

 

4.2.Die Ziele der AGG sind benannt bei den Kommunikationsregeln.

 

4.3.Aufgaben

AGG - Aufklärer finden, auswählen und beauftragen

AGG – Ansprechpartner der „Aufklärer“ während ihrer Arbeitsphase (Zwischenbericht…)

AGG  - Entgegennahme der öffentlichen Ergebnisberichts (siehe unten)

AGG – Vergabekommission (evtl. nur Vorsitzende/n) – finden, auswählen, beauftragen

AGG – Rahmen-Kriterien für die unabhängige Vergabekommission bestimmen

AGG - dann ist die Arbeit der AGG beendet.

 

Die Schnittstelle zwischen „Aufklärung“ und „Vergabe“ bei Ergebnisgestaltung, Plausibilitätsprüfung, Vergabekriterien und -Regeln etc. wird zusammen mit den bestellten Fachleuten geklärt; kann nur so geklärt werden.

 

Dazu soll es auch ein mögliches  zweites Treffen der Opfer/Betroffenen geben, in der die Regeln für die Vergabe vorgestellt und besprochen werden können (neben der Vorstellung des öffentlichen Aufklärungsberichts).

 

5.     Beauftragung der Aufklärer

5.1.Kriterien für die Aufklärer:

- unabhängig – auch als  unabhängig erlebbar

- möglichst ein neuer Name, zugleich mit ausgewiesener Erfahrung für die Aufgabe

- wissenschaftliche Kompetenz über empirische Sozialforschung, mit   quantitativen und qualitativen Datenerhebung

- erfahren und erfolgreich: Referenzen

- Verfügbarkeit im Jahre 2017

– Kapazität zu zügiger Durchführung (vereinbartes Lieferdatum)

- Fähigkeit zur Prüfung von Plausibilität – juristische Absicherung

- keine wissenschaftliche Forschung, aber wissenschaftliche Arbeitsweise

- Fähigkeit und Bereitschaft, Vorarbeiten aufzunehmen (Fr. Wolff, AGG-Mitglieder)

 

5.2.Finanzierung

Die inhaltliche Beauftragung der Aufklärer erfolgt – entlang dieser Kriterien - durch die AGG.

Die Hoheit über die Finanzen liegt bei der Brüdergemeinde/Diakonie.

 

5.3.Ergebnisse der Aufklärung

Zu beauftragen sind:

a)     Ein öffentlicher Aufklärungs-/Gesamtbericht.
(Anforderungen daran sind noch zu besprechen, genannt wurde: Zeitkontext einbeziehen)

b)     Verwertbare Ergebnisse für individuelle Anerkennungsleistungen; diese Darstellungen der einzelnen Schicksale der Betroffenen gehen direkt und datengeschützt nur an die Vergabekommission.

 

6.     Planung eines Treffens der Betroffenen

Es sollte stattfinden, wenn der Aufklärer bestellt ist und die Vorgehensweise dargestellt werden kann, aber noch Hinweise und (An-)Forderungen aufgenommen werden können, also möglichst früh im Jahr 2017.

Weitere Ziele des Treffens sind:

- Betroffene aus der Isolierung zu holen, eine Gemeinschaft bieten und ein Gemeinschaftsgefühl erlebbar machen, auch für positive Erlebnisse der eigenen Bewältigung etc.,

- die Aufklärer vorzustellen und auch den ganzen weiteren Prozess vorzustellen,

- zwei Vertreter/innen der Unorganisierten für die Mitarbeit in der AGG zu gewinnen.

Die Opfergruppen überlegen, evtl. zu einem zeitnäheren Treffen einzuladen.

7.     Nächstes Treffen:
1. Das Treffen wird als die konstituierende Sitzung der AGG gesehen und vorbereitet. Es soll die hier im Protokoll als Entwurf festgehaltenen Überlegungen nochmals reflektieren und dann beschließen.

2. Personelle Vorschläge zu den möglichen Aufklärern sollen genannt werden, um Bewerber für das erste Treffen im neuen Jahr einladen und nach der Vorstellung entscheiden zu können.

 

Von der Mediation werden vier Termine vorgeschlagen.

Zwei davon sind für jeweils mehrere der Anwesenden nicht möglich.

So bleiben zwei Termine zur Auswahl:

Sa., 19.11.16, 11 – 16 Uhr Stuttgart

Mo., 12.12.16, 15 – 20 Uhr bzw. 16 -21 Uhr, Stuttgart

Die Mediatoren bitten um Rückmeldung bis zum 6.11.16 abends.

 

Bei diesen zwei verbliebenen Vorschlägen sind bei den Anwesenden ebenfalls Verschiebungen eigener bisheriger Termine nötig – wozu die Bereitschaft erklärt wird. In mind. einem Fall muss auf die Teilnahme ggf. verzichtet werden (Hochzeit des Sohnes) und es wird die Bereitschaft erklärt, ggf. einen Vertreter zu benennen.

Die Mediatoren danken für diese Flexibilität.

 

Die Termine 2017 werden beim nächsten Treffen gemeinsam verbindlich verabredet.

 

8.     Verlautbarung

Zur eigenen Selbstverständigung, was vom und über das heutige Treffen verlautbart werden sollte, wird ein kurzer Text beraten und den Mediatoren zur Ausformulierung mitgegeben (s. Anlage 3). Er soll im Sinne einer Hintergrundinformation an wenige Medien gegeben werden. (Anmerkung Protokoll: bereits erfolgt.)

 

9.     Rückblende/Feedback

straffe Diskussionsführung ist nützlich, es war ein konstruktives Vorgehen, es war auch inhaltlich gut, es besteht viel Hoffnung für den zukünftigen Prozess, gut dass Unterstützer dabei, es soll weiter nicht hinter verschlossenen Türen gesprochen werden, vielmehr sollen bald Ergebnisse vorgestellt werden.

Rohr/Bauz

 


 


 

 

Protokoll des 1.Treffens am 26.9. in Nürnberg von den Mediatoren Frau Rohr und Herr Bauz:


 

Erstes gemeinsames Gespräch in Nürnberg

Am 26.9.2016 hat in Nürnberg ein Treffen der Mediationsgruppe zur Aufklärung des Missbrauchs in den diakonischen Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, stattgefunden. Teilgenommen haben neben den beiden Mediatoren:

als Betroffene und ehemalige Heimkinder: Frau Poferl, Herr Schulz, Herr Zander,

Herr Andersen, Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde,
Herr Kammerl, Vorsitzender des Netzwerkes Betroffenen Forum.

Gesprochen wurde zunächst über die aus dem vorangegangenen Prozess noch anhängenden und nicht geklärten Fragen und es wurden Perspektiven sowie mögliche Wege einer Klärung erörtert. Entsprechende bilaterale Gespräche wurden in Aussicht gestellt.

Des Weiteren wurde ausführlich über die Zusammensetzung einer sog. Auftraggebergruppe (AGG) diskutiert und Einigkeit darüber erzielt, wer daran teilnehmen soll:
1. Betroffene aus den beiden involvierten Gruppen (Netzwerk Betroffenen Forum und AG Heimopfer) 2 + 2, sowie zukünftig noch 2 weitere nicht organisierte Betroffene, die bei einem Treffen von Betroffenen vorgeschlagen werden können (insgesamt also 6 Personen).

Hinzu kommen der  Vorsitzende des Vereins Netzwerk Betroffenen Forum, ein Mitglied der Opferhilfe Korntal, der Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde (und evtl. ein Vertreter).

Konsens gab es auch hinsichtlich der Überlegung, dass Vertreter der ehemaligen Mitarbeitenden in den Prozess der inhaltlichen Aufklärung einzubeziehen sind. Dies betrifft ehemalige MitarbeiterInnen aller diakonischen Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde, die mit Heimerziehung, Schule etc. betraut waren.

Außerdem wurden erste Kriterien für die inhaltliche Aufklärung formuliert, diese bedürfen aber einer weiteren Präzisierung und dieser Punkt bedarf insgesamt einer weiteren Diskussion.

Wichtig war allen Teilnehmenden, dass für die konkrete, inhaltliche Aufklärung unabhängige Persönlichkeiten zu suchen sind und dass im Rahmen der Aufklärung die Plausibilitätsprüfung besonders wichtig ist.

Es wurden schließlich Prinzipien und Kriterien für eine gelingende Zusammenarbeit in der Mediationsgruppe erstellt, inhaltlich diskutiert und Einigkeit darüber erzielt, dass Zielsetzungen und Rahmenbedingungen der Mediation nur unter Einhaltung dieser Prinzipien zum Erfolg führen werden.

Das nächste Treffen findet statt am 29.10.2016 in Stuttgart.   

Für die Mediationsgruppe   Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz

http://elisabethrohr.de/


 

 

 

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